Interview

Team n-tv Dezember 1999 und andere vorher und nachher

NN

Bernd Schiele, Berufsastrologe ASHS

Herr Schiele, sie sind Astrologe und Tarot-Deuter, wie verbinden Sie diese beiden Disziplinen miteinander?

 

Zur sensitiven Lebensberatung gehört bei mir immer auch die astrologische Art der Erfahrungswissenschaft oder/und Biographieforschung auf der Basis der Erkenntnisse aus der gut fundierten klassischen Astrologie. Anhand eines individuellen Geburtsbildes ( = Kosmogramm, Horoskop) läßt sich mit Hilfe einer alten, ewig aktuellen Symbol- und Elementsprache erkennen, mit welchen Qualitäten jemand geboren ist, welchen Aufgaben und Entwicklungen er sich stellen muß. Alle Verhaltensmuster, zu denen jemand tendiert, auch  berufliche Begabungen und Problemstellungen werden ersichtlich. Manchmal ist das, was wir im Alltag für ein Problem halten, nur ein Heilprozess: Jedes Problem, vor das der Alltag uns stellt, läßt sich in astrologischer Sprache umsetzen; das Kosmogramm erklärt, wie das Problem gemeistert werden kann. Ein Problem ist ja häufig nur ein Symptom dafür, daß ein nicht zur Entfaltung gebrachtes Lebensthema in einer ver­steckten Form, eben als „Problem“ existiert. Dadurch, daß ein ungelö­stes Thema in der Beratung zur Bewußtheit und Anschauung kommt, wird ein Heilprozeß in Gang gesetzt. Dazu wähle ich eine alltagstaugliche Übersetzung der astrologischen Sprache, die genau dem vom Klienten geschilderten Fall Rechnung trägt.

Das ist die Essenz der Synthese von Astrologie und Lebenskunst. Die Astrologie ist ein sehr genaues Diagnose-Instrument, um einen ein­zelnen Menschen in seiner Vollständigkeit zu erfassen. Tarot ist auch ein hoch zu schätzendes Diagnosemittel, weil beim Kartenmischen das Harmoniegesetz im Menschen den Menschen gewissermaßen  zu einer Antenne macht.

Was heißt „unterdrückt“ ,,versteckt“ und ,,verdrängt“?

Die Astrologie ist eine Lebenslehre, die besagt, daß jede/jeder kommt mit einem bestimmten Kosmogramm in diese Welt. Das heißt, das Menschenkind, das man werden möchte, ist schon zum Lebensanfang als Entwurf da.  Dieses Menschenkind „prallt“ nun auf dem Lebensweg zu sich selbst auf die aktuelle Realität, z.B. auf eine bestimmte Psyche, einen bestimmten Körper und auf ein bestimmtes soziales Umfeld. Diese Realitäten haben ihren Ursprung in ver­gangenen Leben, in denen die Voraussetzungen für das jetzige geschaffen wurden. Alles findet jedoch immer im Jetzt statt.

So gerät das „mitgebrachte“ Konzept immer wieder in Gegensatz zu den vorgefundenen Lebensumständen - dem „Kosmos“ des Menschenlebens, in dem es real werden soll. Häufig verliert das Menschenkind die Orientierung; die Folgen sind Verweigerung und Aufnahme von Fremdbildern, Traumbildern oder bequemen Illusionen.  Der eigene Lebensschlüssel bleibt unerlöst, er liegt dann solange verwunschen im Dornröschenschlaf bis er erlöst wird.

Die Widerstände dienen wohl dazu, unser individuelles „Programm“ umzusetzen?!

Genau. Die Lebensumstände hat das Menschenkind ebenfalls weitgehend ausge­wählt. Auch wenn die Lebensumstände oberflächlich betrachtet nicht so günstig erscheinen, sind sie als Reibungsthematik letztlich für die spirituelle, geistige und geistliche Entwicklung notwendig. Denn wenn wir diese Reifungsprozesse von innen her nicht annehmen, entstehen Krisen (Krise kommt  von krinein –griechisch-  vor  Entscheidungen stehen). Die Astrologie, wie ich sie nach astrologischen Kriterien einsetze, hilft, diese Prozesse wieder in Fluß zu bringen, die vorher nicht zugelassen wurden. Denn wenn etwas verweigert wird, drängt sich das irgend­wann als Symptom im  Verhaltensmuster, manchmal auch im Gesundheitsbefinden auf. Es gibt ja Menschen, die innerlich dem Leben mehr oder weniger unbewußt so sehr kündigen,  daß sie einen ,,biographischen Tod“ erleiden, weil sie sich jeder Entwicklung entziehen und sich in einen Glaskasten setzen wollen, so daß sie nur noch in einer sterilen, distanzierten Welt leben können.

Paracelsus hat einmal gesagt: „ Ein guter Medicus muß ein guter Astrologus sein.“ Die Essenz einer optimal verarbeiteten  COSCARA-Beratung ist, daß der/die Klient/in die Bedeutung dessen, was mit ihm/ihr  und um sie herum geschieht, besser erfassen, besser verstehen und dann auch besser einordnen kann. Mit einer bestimmten Lebensthematik läßt sich dann viel besser umgehen. Deswegen ist die Verknüpfung der sensitiven Lebensberatung mit der Astrologie und der Astrosophie als  ganzheitlich orientierte Menschenlehre  meiner Meinung nach ein Muß.

 

Wenn ich jetzt um die Zeitqualität weiß, wie gehe ich damit um?

Mein größter Wunsch ist, daß jemand nach den astrologischen Beratungen bzw. mit seinem individuellen COSCARA-Buch in seinem Leben arbeitet. Ich kann in der Beratung zusammen mit meinen Klienten eine Sensibilität,  ein Bewußtsein für ihre eigenen inneren Prozesse schaffen. Das erarbeitete Wissen und die Erkenntnis, die Reflexion über sich und den eigenen bisher gelebten Lebensweg führten ganz natürlich dazu, daß sie im täglichen Leben die Bedeutung dessen, was ihnen geschieht, verstehen. Sie werden aufmerksamer mit den Begegnungen und Ereignissen umgehen. Die astrologische Beratung dient dazu, diese Selbst-Orientierung des im Alltag stehenden Menschen zu schulen.

Viele Menschen suchen gerade entweder einen anderen Menschen, eine Institution oder einen Glauben, die für sie die Verantwortung übernehmen ...

 

Kultur kommt von Kult. Unsere Kultur ist eine Religionskultur. Der Schöpfer unseres Schul- und Universitätswesens, Reformator, Freund und Weggefährte Martin Luthers, der „Praeceptor Germaniae“  Philip Melanchthon, war Astrologe; wir sollten das nicht vergessen. 14 Päpste waren Astrologen. Kaiser Karl, der Große, war Astrologe. Historische Beispiele für Astrologen, die in Herrscherhäuser arbeiteten, gibt es zuhauf.

Für den modernen Menschen ist der kulturelle abendländische Kulturhintergrund und ein abendländisches Schöpfungsbild, ein Religionsbild im Sinne von Religio = Rückbindung wichtig. Ellis, ein Therapeut aus USA, weist heute durch seinen bahnbrechenden Erfolg (RET = ratio-emotionale Therapie) und auch durch seine Veröffentlichungen darauf hin, wie unsinnig es ist,  Psychologie von der Philosophie zu trennen.

Unser Augenlicht hat einen blinden Fleck. Nimmt man dem Auge den blinden Fleck, verlieren wir das Augenlicht total. Der Mensch braucht den Menschen. In der Beratung kann und will ich Erkenntnisse Meine Beratung will und soll Erkenntnisse vermitteln und öffnet auch den Blick für ein etwa aufzuarbeitendes Defizit. Aber im Leben umsetzen muß das mein (e) Klient/in selbst. Ich mische mich keinesfalls mit meinen Talenten wie Astrologie-, I-Ging-  und Tarot-Deutung manipulativ in die Biographie eines Menschen ein, sondern öffne ihn nur für die Entwicklungen, die bereits in ihm angelegt oder zur Zeit der Beratung wach geworden sind..

Natürlich werden in meinen COSCARA-Beratungen auch ganz konkrete individuelle Möglichkeiten und Lösungen zusammen erarbeitet, die Hilfestel­lung bei der tatsächlichen Umsetzung leisten. Mein Ziel aber ist es, daß ein Mensch auch nach einer kurzen ein- oder zweistündigen Sitzung tatsächlich mit einem anderen Bewußtsein wieder in den Alltag hinaus geht. Nicht etwa, weil ich ihm gesagt habe, was er tun soll, sondern weil er sich durch z. B. meine Art der astrologischen Stellungnahme selbst erkennt und sich an seinen eigenen Weg wieder anschließt. In diesem Moment „kommen“ dann auch die Dinge von außen. Man könnte auch sagen, das durch Astrologie- oder COSCARA-Sitzungen erweckte Bewußtsein sensibilisiert für die notwendige Achtsamkeit. Das heißt die Dinge, die man konkret gemäß Begabung und Reifestadium tun soll, werden während und/oder nach  COSCARA-Sitzungen aus sich selbst heraus gefunden und der Zeitqualität  entsprechend durchgeführt.  Als Astrologe weiß ich zwar  aufgrund der Erfahrungswissenschaft schon anhand des Kosmogramms, wohin die Entwicklung astrosophisch gehen kann, aber es nützt ja nichts, daß ich es sehe, bzw. Statistiken über Lebensverläufe es nachweisen, sondern der/die Beratene erkennt das mit Regelmäßigkeit in sich selbst. Ich helfe nur dabei, daß er/sie seinem/ihrem Weg näher kommt. Das ist ja gerade der Effekt der COSCARA-Methode, kosmische Wirkprinzipien wie z. B. Zeitqualität so zu übersetzen, daß der Ratsuchende sie in seinem Alltag wirken sieht und dann auch damit wirklich arbeiten kann, weil er/sie sein/ihr Leben in größeren Zeiträumen wirken sieht. Ich erzähle in der Sprache des täglichen Lebens und übersetze die Erfahrungswissenschaft alter, ewig aktueller Symbolsprache in moderne, für den Klienten verständliche Sprache. Durch ein Bild, eine Analogie wird häufig leichter sicht­bar, was vielleicht nicht stimmt in einem Leben. Deswegen benutze ich auch Märchen, mythologische Geschichten, Film-Tips und Literatur-Tips, um ganz bestimmte Planeten-­Konstellationen zu beschreiben.

 
Ist aus dieser Motivation, Astrologie begreifbarer und transparenter zu machen, das COSCARA-Beratungsgespräch entstanden?

Genau. Das Gespräch hat deswegen Erfolg, weil durch die Unterredung Archetypen und Verhaltensmuster transparent werden und einen Überblick über die Wirkprinzipien des eigenen Kosmogramms gegeben ist, die „Lebensbühne“ und Lebensthemen anschaulich werden. Astrologie und Tarot sind element-orientierte Bildsprachen. Mit Hilfe dieser ewig aktuellen Element-Bildsprachen werden die Daseins-Prozesse gut sichtbar. Das COSCARA-System ist als eine Brücke vom  Element-Bild zum modernen aktuellen Leben zu sehen.

Ich verwende es sowohl in Vorträgen als auch in persönli­chen Beratungen, um das umfassende Notenblatt der Lebenssinfonie mit den vielen gleichzeitig wirkenden Musikanten überschaubar, hörbar, spürbar und  transparent zu machen.

Wie ist denn die Idee zu einer Entwicklung der COSCARA-Methode entstanden?

Angefangen hat alles vor einigen Jahren, als Michael Mahlke zum ersten Mal zu einer astrologischen Beratung kam. Er war begei­stert von den Möglichkeiten der Astrologie und fühlte sich dazu inspiriert, mit mir gemeinsam meine Gesprächsmethode zu einem Konzept (zunächst: CARACOS = Alltagsbewältigung) zu machen. Ich fand in Michael einen Menschen, der mit seinen  Fähigkeiten in der Lage war, dem Wesen meiner Beratung einen konkreten Rahmen zu geben. Mehrere  Jahre lang stand immer wieder die Frage nach der Effizienz für den modernen Menschen im Alltag im Mittel­punkt.  Die COSCARA-Methode ist eine Weiterentwicklung dessen, was ich zunächst CARACOS-Methode nannte.

In der Beratung oder in einem Kurs für Persönlichkeitsbildung kann man nicht mal eben einfach eine Idee einwerfen und sie später näher erläutern. Es mußte auf den Punkt stimmen. Manchmal haben wir ganze Aufsätze und Konzepte wieder verworfen und von vorne angefangen. Wir haben miteinander das Wesentliche der Element-Sprachen  erforscht und zum Ausdruck gebracht. Es war ein stän­dig tiefer gehender Prozeß, Geistiges sinnlich erfassbar zu machen.

Daraus sind dann unsere Kurs-Unterlagen für Persönlichkeitsbildung und (Manager-)Coaching entstanden.

 
 
Das COSCARA-Gespräch ermöglicht so eine völlig neue und erweiterte Betrachtungsweise?

Von der reinen Schilderung eines Horoskop-Bildes über astrologische Verhältnisse und Schlüsselwort-Vermittlung habe ich mich schon früh total gelöst. Mein Deutungsweg ist die Formensprache der Lebenslehren, d. h. eher die Gestaltsprache des Tierkreises als nur ein bloßes Kenntlichmachen, eher die Sinnvermittlung des Königsweges durch das bebilderte Kraft- und Weisheitsbuch Tarot, als das „Kartenlegen“. Mein Umgang mit den Element-Sprachen  ist ein Ausdruck des Wesenhaften. Deshalb heißt einer meiner Vorträge auch ,,Betrachtungen zum Wesen der Tierkreiszeichen“. Das hört sich simpel an, weil alle Welt meint, die Zeichen seien in ihrer Bedeutung schon verstanden. Aber es sind noch ungeahnte Tiefen, den Tierkreis als Denkmodell  zu betrachten. Astrologe, Astromant sein heißt für mich, das Wesenhafte zu sehen und nicht nur formelhaft auswendig zu lernen, was klischeehaft alles zu den Tierkreiszeichen gehört.

Astrologie habe ich zunächst für mich als Kraftfeld-Motiv entdeckt. Deswegen entstand die Idee, ein Beratungsgespräch aufzubauen, das auf verschiedene Weise dem Ratsuchenden ermöglicht, seine innere Gestalt vollständiger zu erfahren.

Paracelsus, dessen Heilkunde in die Astrologie eingebettet war, verwendete das persönliche Kosmogramm für eine vollständige Diagnose seiner Patienten. Erst anhand eines individuellen Geburtsbildes können wir erkennen, mit welchem Lebensschlüssel jemand geboren ist, welchen Aufgaben und Entwicklungen er sich stellen muß. Alle Verhaltensmuster, auch die Krankheiten, zu denen jemand tendiert, werden im Beratungsgespräch spiegelbildlich ersichtlich. Wobei Krankheiten nur Heilprozesse sind: Jedes Krankheitsbild ist für mich ein somatisches Bild, in dem wir uns sehen können wie in einem Spiegel. Eine Krankheit ist häufig ein vom Körper gesetztes Zeichen dafür, daß ein nicht zur Gestaltung gebrachtes Lebensthema in einer ver­wunschenen bzw. unerlösten Form, eben als Krankheit existiert. Krankheit ist gewissermaßen „vezauberte“ Gesundheit. Dadurch, daß ein ungelö­stes Thema in der Beratung zur Bewußtheit und Anschauung kommt, wird unter günstigen Umständen ein Heilprozeß in Gang gesetzt. 

Das ist der Grund, warum  Heilpraktiker, ganzheitlich orientierte Ärzte, Psychiater, Therapeuten und Apotheker sich für Astrologie interessieren.  Die Homöopathie (Hahnemann) wählt bzw. empfiehlt homöopathische Arzneimittel, die genau dem Krankheitsbild entsprechen.

Das ist die Essenz der Synthese von Astrologie bzw. der Ansatz heute für die Astromedizin.                                                                                                                                                                                          Die Astrologie ist ein sehr genaues Diagnose-Instrument, um einen ein­zelnen Menschen in seiner Vollständigkeit zu erfassen.

Insofern mag ich für das „GANZHEITLICHE TEAM“ in Ratingen als Mitglied interessant gewesen sein. 1999 kam es in Düsseldorf zur Gründung des IBATH e. V., = Informations- und Bildungskreis für alternative Therapiemöglichkeiten, dessen Gründungsmitglied und 2. Vorsitzender (heute Beirat und Internet-Redakteur) ich bin. 

Ich habe häufig Ursache, mich über das allseitige Interesse zu freuen und danke für den Besuch und Ihre Aufmerksamkeit!  

 

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